Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten
Die Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrsikokarten sind im Internet öffentlich verfügbar. Über interaktive Kartenportale können Sie nach Adressen suchen und sich weitere Infomationen anzeigen lassen.
Was sind Hochwassergefahren- und -risikokarten?
Hochwassergefahrenkarten (HWGK) und Hochwasserrisikokarten (HWRK) sind zentrale Instrumente des modernen Hochwasserrisikomanagements. Sie dienen der Information von Behörden, der Fachplanung und der Öffentlichkeit über mögliche Hochwasserauswirkungen und bilden eine wichtige Grundlage für Vorsorge-, Planungs- und Schutzmaßnahmen.
Ihre Erstellung ist eine Anforderung aus der für die EU geltenden Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. Die Karten wurden im Jahr 2013 zum ersten Mal erstellt und werden seitdem alle sechs Jahre überprüft und ggf. aktualisiert. Jeder Zyklus besteht aus drei aufeinander aufbauenden Bearbeitungsschritten:
- Risikobewertung (Dauer 3 Jahre)
- Erstellung der Hochwassergefahren- und -risikokarten (Dauer 1 Jahr)
- Erstellung der Hochwasserrisikomanagementpläne (Dauer 2 Jahre)
Hochwassergefahrenkarten stellen dar, wo und wie stark Hochwasser auftreten kann. Sie zeigen die räumliche Ausdehnung von Überschwemmungen für drei festgelegte Hochwasserszenarien (häufige (HQ10-HQ20), mittlere (HQ100) und seltene Ereignisse (Extremhochwasser)). Zusätzlich enthalten sie Angaben zur Wassertiefe, teilweise auch zur Fließgeschwindigkeit.
Ziel der Hochwassergefahrenkarten ist es, die Gefährdung durch Hochwasser aufzuzeigen.
Hochwasserrisikokarten bauen auf den Gefahrenkarten auf und zeigen, welche Folgen ein Hochwasser haben kann. Sie stellen dar, welche Nutzungen, Sachwerte, Infrastrukturen, Umweltgüter oder besonders schutzbedürftigen Objekte (z. B. Wohngebiete, Krankenhäuser, Industrieanlagen) in den potenziell überschwemmten Bereichen liegen.
Ziel der Hochwasserrisikokarten ist es, das potenzielle Schadens- und Risikoausmaß zu verdeutlichen und die Priorisierung von möglichen Schutzmaßnahmen zu unterstützen.
Gemeinsam ermöglichen Hochwassergefahren- und -risikokarten:
- eine fundierte Raum- und Bauleitplanung,
- die Entwicklung gezielter Hochwasserschutzmaßnahmen,
- eine verbesserte Vorsorge und Eigenvorsorge
- sowie eine transparente Risikokommunikation.
Das Ahr-Hochwasser von 2021 hat die Gefahren und das Risiko durch Hochwasser deutlich vor Augen geführt und die Bedeutung belastbarer Hochwassergefahren- und -risikokarten für Planung und Vorsorge verdeutlicht. Die Karten unterstützen die Handelnden in der Prävention, Vorsorge und Risikokommunikation.
Wie werden Hochwassergefahren- und -risikokarten erarbeitet?
Die Erstellung, Überprüfung und Aktualisierung der HWGK und HWRK ist deutschlandweit einheitlich geregelt. Aktualisiert werden nur HWGK/HWRK, in denen sich signifikante Änderungen ergeben haben. Viele Karten sind gegenüber dem ersten Zyklus unverändert. Kriterien für eine erforderliche Aktualisierung bestehender HWGK waren insbesondere:
- Neue Erkenntnisse zur Hochwassergefährdung (z. B. seit der letzten Überprüfung aufgetretene Hochwasserereignisse (insbesondere das Ahr-Hochwasser 2021))
- Änderungen am Gewässer oder in Gewässernähe (z. B. Nutzungsänderungen, Änderungen an Schutzgütern)
- Aktualisierung von Methoden oder wasserwirtschaftlichen Fachdaten (z. B. Neuerhebungen, Verbesserung oder Ergänzung der verwendeten Fachdaten (Topographie, Hydrologie, Hydraulik, Abflüsse etc.))
- Weitere Kriterien (Rückmeldungen von Kommunen, Kreisen oder anderen Ortskundigen zu Prüfungs-/Aktualisierungsbedarf)
Bei einer Länge der Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen von mehr als 50.000 Kilometern ist es nachvollziehbar, dass die Aktualisierung der Karten mit der notwendigen Überprüfung auf hochwasserrelevante Veränderungen eine sehr aufwendige und langwierige Tätigkeit ist. Um die Arbeit einzugrenzen und annähernd die Möglichkeit einer zyklisch stattfindenden Überprüfbarkeit zu gewährleisten, wurde die zu überprüfende Gewässerlänge zu Beginn des ersten Bearbeitungszyklus der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie auf Gewässer ab einer bestimmten Größe (Einzugsgebiet > 10 km²) reduziert. Damit verbleiben immer noch ca. 11.000 Kilometer Gewässerlänge, die alle sechs Jahre turnusmäßig zu überprüfen und ggf. zu aktualisieren sind. Dies ist finanziell, personell und zeitlich aufwendig. So dauern die Vorarbeiten für die hydraulischen Berechnungen leicht ein bis mehrere Jahre:
- Ausschreibung und Vergabe der notwendigen Arbeiten
- Vermessung der Gewässer
- Ermittlung der relevanten Abflüsse
Die dann folgenden Modellierungen, die auf der genauen Abbildung des Gewässers mit all seinen Besonderheiten sowie des gesamten überflutungsgefährdeten Bereichs beruhen und für alle relevanten Abflussmengen durchzuführen sind, benötigen noch einmal ebenso viel Zeit. Hier sind auch die Qualitätsprüfungen in verschiedenen Stufen sowie die Kommunikation mit allen Beteiligten zu nennen. Es ist daher möglich, dass für neue Risikogewässer oder Gewässer mit gravierenden Veränderungen die Hochwassergefahrenkarten und -risikokarten im dafür vorgesehenen Zeitraum nicht fertiggestellt werden können.
Wo sind die aktuellen Hochwassergefahren- und -risikokarten zu finden?
In Nordrhein-Westfalen werden die Hochwassergefahrenkarten und die Hochwasserrisikokarten über das Portal Hochwasserkarten.NRW zur Verfügung gestellt. Die Aktualisierungen erfolgen fortlaufend nach der Freigabe neuer Ergebnisse.
In dem Online-System haben sie u. a. die Möglichkeit nach Adressen zu suchen und zusätzliche Informationen anzuzeigen. Die integrierte PDF-Druckfunktion wird aktuell noch optimiert.
Erklärungen zu den Karten finden Sie hier auf Flussgebiete.NRW.
Alternativ finden Sie die Karten online im Fachinformationssystem für die Wasserwirtschaft in NRW ELWAS-WEB.
Berichte zu den Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten im 3. Zyklus 2022 - 2027
Hier finden Sie die Berichte zu den Karten für den 3. Zyklus, die im Dezember 2025 veröffentlicht wurden. Derzeit noch fehlende Berichte werden, sobald sie vorliegen, ergänzt.
Berichte zu den Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten im 2. Zyklus 2016 - 2021
Das Land NRW und die Flussgebietsgemeinschaften haben die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Kartenaktualisierung im 2. Zyklus in entsprechenden Berichten zusammenfassend beschrieben. Sie stehen hier zum Download zur Verfügung.
Bericht zu den Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten im 1. Zyklus 2010 - 2015
Der Bericht gibt einen Abriss zu den Anforderungen an die Karten, die Vorgehensweise bei der Erstellung und Gestaltung der Karten sowie die Präsentation für die Öffentlichkeit. Besonderheiten des Vorgehens in NRW werden beschrieben. Der Bericht wurde dem Landtag vorgelegt (Landtagsdrucksache 16/2242).